[Rezension] „Fremder Himmel“ von Dennis Frey

Fremder Himmel von Dennis Frey

[Rezension] „Fremder Himmel“ von Dennis Frey

Trotz des Nanowrimo habe ich im November wieder einmal ein Buch gelesen (gut, hat mich nur vier Stunden meiner Zeit gekostet, da es so spannend war und ich das Handy nicht zur Seite legen konnte), das ich euch unbedingt vorstellen möchte.

– Kann Spuren von Werbung enthalten –

Informationen

Autor: Dennis Frey
Titel: Fremder Himmel
Verlag: Drachenmond Verlag
Seitenanzahl: 344 Seiten (Printausgabe)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-95991-490-1

Kurzbeschreibung

„Mein Held“, hauchte sie. Und genau das war er. Ihr Held. Zähne blitzten weiß auf, als er ihr zulächelte. Mona, eine junge Autorin, hat gerade zum ersten Mal ein Manuskript beendet. Um das volle Potenzial ihrer Fantasy-Welt Kaemnor zu entfalten, trifft sie sich mit dem Lektor Bragi, der ihr helfen möchte und im Ausgleich nur ein Versprechen verlangt: Mona darf nicht aufgeben, bis er es ihr erlaubt. Sie stimmt zu und findet sich kurz darauf in Kaemnor wieder – der Welt, die sie selbst erschaffen hat. Doch während sie von da an bei jedem Einschlafen zwischen den Welten hin und her springt, muss sie sich eingestehen, dass sie längst keine so gute Autorin ist, wie sie gedacht hat .

Wie kam ich auf das Buch?

Ich bin auf das Buch über den Blog von Tanja aufmerksam geworden. Im ersten Moment dachte ich „Oh mein Gott, eine Liebesgeschichte“, aber als ich ihre Rezension (kombiniert mit einem Autoren-Interview, sehr lesenswert!) gelesen hatte, wusste ich, dass mich dieser Eindruck getäuscht hatte. Und ich musste es haben, weshalb ich mir das eBook bei Amazon geholt habe …

Covergestaltung

Wie eben erwähnt, dachte ich zunächst, dass es sich bei dem Buch um eines dieser unsäglichen YA-Bücher mit einer tollpatschigen Heldin, ihrem strahlenden Retter und allerlei Schwierigkeiten auf dem Weg zum Glück handelt. Falsch, im direkten Sinne, gut. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, habe ich dem Cover einen erneuten Blick geschenkt. In der Frauengestalt sieht man grau den restlichen Körper, im Übergang mit dem Wald – vermutlich von Kaemnor – und den Hintergrund bildet die Silhouette von Hamburg, Monas Wohnort, zumindest vermute ich, dass das Hamburg ist. Sehr schöne Idee,  aber trotz der Bedeutung, die ich nun erkenne, gefällt es mir immer noch nicht. Was ich mir auch vorstellen könnte ist, dass das Cover eine Art Irreführung des Lesers in die Wege leiten soll, der nach diesem Bild eben eine weitere 0815-Romantasy-Story erwartet, aber dazu komme ich gleich …

Aber ich mag definitiv keine Buch-Cover mit (überirdisch) schönen Menschen und zu bunt trifft meinen Geschmack auch nicht, weshalb für mich dieses Cover weniger gelungen ist.

Allgemeines

Wie man es von einem Buch, das bei einem Verlag verlegt wurde, gibt es keine groben Mängel (man übersieht immer mal was, egal, wie oft etwas Korrektur gelesen wird) in Sachen Rechtschreibung und Grammatik. Das eBook präsentiert sich hübsch aufgemacht mit kleinen Grafiken unter den Kapitelüberschriften (Schiffsruder, wie passend) und einem großen Initial zu Kapitelbeginn. Insgesamt sind es 25 Kapitel (plus ein Prolog), die teilweise sehr lustige Namen tragen wie „Freischaffende Seherin“, „L“, „Alles Orkay“ und „Don’t feed the trolls“.

Zwischen den Szenen von Kapitel gibt es kleine Wellen, was mir sehr gefällt und mit dem man sich von den obligatorische *** abhebt.

Eines der größten Mankos gegenüber einer Print-Ausgabe bemerke ich meist am Abend, wenn ich im Bett liege, denn dann wechsle ich in der Kindle-App die Hintergrundfarbe auf Schwarz. Die hübschen, verspielten Grafiken erscheinen dann in einem weißen Kästchen, was natürlich nicht so schön ist, aber dem Stand der Technik geschuldet ist und was ich persönlich schrecklich finde, denn meine eigenen Projekte sind auch mit kleineren Grafiken versehen. Aber vielleicht tut sich ja was, bis ich jemals etwas veröffentliche …

Am Ende des eBooks gibt es eine kurzen Autoren-Vita und die obligatorische Werbung.

Meine Meinung – Achtung, Spoiler!

Schon die erste Seite von „Fremder Himmel“ hat mein Interesse geweckt, denn so wie Mona ihr erstes Buch auf der ersten Seite beendet hatte, habe ich vor kurzem den ersten Teil einer (eigenen) Geschichte beendet. Die Gefühle, die ich dabei hatte, ließen sich mit Monas vergleichen, weshalb ich mich von Anfang an gut in sie hineinversetzen konnte. Ein wesentlicher Unterschied ist aber wohl, dass ich nicht an ihrem Höhenflug teilnehmen kann.

Die ersten Szenen in Kaemnor, die Mona dann erlebt, zeigen schon aufs Herrlichste, welchen Klischees Fantasy-Autoren gut und gerne folgen, denn bereits am Anfang wird der strahlende Prinz (den ich aufgrund des Covers vermutet habe), den Mona erschaffen hat, gottseidank umgebracht und ersetzt – durch einen Barbaren. Mona trauert ihn trotzdem hinterher, während sie hofft, dass ihre zweite Kreation (ihre Lieblingsfigur und übrigens das von Mona vorgesehene LI des Verstorbenen) am Leben bleibt. Hier sehe ich die größte Stärke von „Fremder Himmel“.

Monas Monster

Beide Protagonisten aus Monas Geschichte sind meines Erachtens nach wandelnde Klischees – was nicht heißt, dass ich es besser könnte als Mona – und D. Frey hat es sehr schön geschafft, dieses Problem zu lösen. Ein wenig schadenfroh habe ich die ganze Zeit gehofft, dass Monas Lieblingscharakter gar nicht auftaucht, aber der Spaß wurde mir nicht vergönnt. Wenigstens entpuppte sich Monas Kreation dann auch als absolut anders als es ihre Feder gewollt hatte.

Ihr Barbar war erfrischend anders, so wie er sich entwickelt hatte, und auch der Lösungsansatz für „klischeefreie Zwerge“ war genial-kreativ. Neben den Figurenklischees wird auch immer wieder auf das Problem des fehlenden „Worldbuildings“ hingewiesen, so dass man als Schreiberling aus „Fremder Himmel“ einiges mitnehmen kann. Den größten Lacher hat übrigens die Stadt „XYZ“ bei mir hervorgerufen, da ich genau diesen Platzhalter auch in meiner Geschichte (als Firmenname) verwendet habe – scheinbar hat Mona ihr Manuskript beendet, aber der Platzhalter blieb. Doof. Peinlich. Die Bewohner von Kaemnor haben sich zurecht ihre Gedanken darüber und sowie lustig gemacht.

Mona als Charakter war ebenfalls überraschend erträglich.
Ich hatte nach dem Klappentext ja mit einer Tussi („Du bist eine Tussi!“ – O-Ton bessere Hälfte) gerechnet, die absolut beratungsresistent (bzw. betriebsblind, wie es bei Schreibern gerne heißt) ist. Nach einem anfänglich holprigen Start bin ich aber langsam mit ihr warm geworden und habe mich mit ihr gefreut, wenn wieder etwas gut lief. Ihre Trauer um den verlorenen Prinzen habe ich aber bis zum Ende nicht nachvollziehen können …

Monas Leben

Immer wieder fällt Mona zurück ins triste Hamburg. Ihre Erlebnisse in Kaemnor haben ihr gezeigt, wo die größten Probleme ihrer Geschichte liegen, und wohlwissend, dass sie den Lauf ihrer Geschichte noch bearbeiten kann, macht sie sich daran, die Dinge zu verbessern. Manchmal weiß sie nicht weiter und fragt ihren Professor für Kreatives Schreiben (das wäre ein Kurs an der Universität, der sogar mich interessieren würde), wie sie diese Situationen auflösen kann. Hier entwickelt sich ein interessanter Nebenstrang der Geschichte auf einer anderen Ebene, der leider in den letzten Kapiteln einen unschönen Verlauf nimmt und der am Ende etwas unfertig wirkte. Aber es hätte Potenzial …

Fazit

Sehr schöne, fesselnde Geschichte, aus der man viel mitnehmen kann!

4/5 Sternen

 

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