Das Ende des NaNoWriMo 2017

Das Ende des NaNoWriMo 2017

Vor vier Tagen habe ich einen kurzen Zwischenbericht zum Nanowrimo geschrieben, in dem meine Prognose nicht so rosig war – zu sehr nervte mich das Projekt, in dem ich im NaNoWriMo weitergeschrieben (ja, ich habe kein neues Projekt angefangen, da es immer Unkenrufe gibt, dass ich nie etwas Schreiberisches zu Ende bringe), zu sehr drängte sich ein neues Projekt in meine Denkfabrik. Nun ist der 23. November und ich habe vorhin meinen Wordcount validiert, um mir die Badge für den NaNoWriMo zu holen, denn ich habe heute die 50.000 Wörter-Marke überschritten!

 

Worum ging es eigentlich in meinem Projekt?

Mancher wird von meiner kleinen Urban-Fantasy-Trilogie mit dystopischen Einschlag (zumindest ist es momentan eine Trilogie) gehört haben und davon genervt sein, aber ich habe am zweiten Teil davon weitergeschrieben. Im Groben geht es um eine Welt, in der das Wasser verseucht ist und was zur Folge hatte, dass ein Großteil der Menschheit tot ist. Protagonist ER ist ein Kurierfahrer für Wasser, der – so zwielichtiger Straßenräuber es wollte – mit diesen Wasser in Kontakt kommt und nicht stirbt. Das bekannte Schema des Auserwählten eben … oder?

»Oder ist es eher eine Prophezeiung? Bin ich in Wirklichkeit vielleicht der Auserwählte, der die Menschheit vor der Vernichtung durch euch bewahren wird?«
»In diesem Fall ist die Menschheit verloren.«

Im zweiten Teil befindet sich der Protagonist ER erneut auf der Flucht. Diesmal wird er nicht nur von der Polizei wegen eines Mordes, den er nicht begangen hat (Fake-News!), gesucht, sondern auch von einem ominösen Sicherheitsunternehmen, da ER von einem alten Bekannten gezwungen wurde, ein Geheimprojekt dieses Sicherheitsunternehmens, das immer noch keinen Namen hat (XYZ), zu stehlen.

Statistiken und Balkendiagramm

Quelle: nanowrimo.org

 

Meine Pläne

Vor einigen Wochen waren meine Pläne anders.

Eigentlich hatte ich vor, nach den ersten Ergebnissen aus den ersten Testleser-Durchgängen, mich an die Überarbeitung des ersten Teils zu machen, da mir viele Schwächen und Plotholes bereits bekannt sind, ungeachtet dessen, wie weit der zweite Teil war.
Nach dem relativ durchwachsenen Start des NaNoWriMo behielt ich diesen Plan bei, bis sich eine leichte Tendenz zu „Vielleicht schaffst du es und wenn du 50.000 Wörter innerhalb kürzester Zeit schreibst, könntest du bis Ende des Jahres mit dem 2. Teil fertig sein!“. Immerhin hatte der zweite Teil beim Start des NaNoWriMo schon etwa 48.000 Wörter und geplant hatte ich mit 100.000 Wörtern.

Allerdings offenbarte der NaNoWriMo immer mehr Schwächen im ersten Teil, persönlich empfand ich den zweiten Teil als stärker und von der Charakterzeichnung her besser, so dass ich erst einmal Teil 2 beenden wollte und dann die beiden gemeinsam überarbeiten. Immerhin hatte ich bereits ein großes Problem des Protagonisten ER beim Belohnungs-Plotten für das neue Projekt entdeckt, was ein starkes Eingreifen in den ersten Teil bedeutete. Im zweiten konnte ich ihn ein wenig in die Richtung – nennen wir es einfach mal so – Erwachsenwerden schubsen.

Leider haben sich von den Testlesern, die sich auf meinen Aufruf hin gemeldet hatten, nur wenige tatsächlich mit der Aufgabe befasst, weshalb ich hier ebenfalls weiter gesucht habe und hoffentlich gefunden habe. Ich meine – schön und gut, was ich denke, als Autor ist man aber meistens betriebsblindund beim Erstling gleich viel mehr (zu dem Thema habe ich eine Rezension vorbereitet), weshalb mir da der Eindruck von Leuten, die die Welt nicht kennen, wichtig ist. Natürlich fällt so eine Aufgabe eigentlich einem Lektorat zu, aber dafür ist es zu früh, dazu sehe ich mich zu wenig als „Autor“, eher als „Schreiber“!
Vielleicht tut sich ja was, wenn der NaNoWriMo vorbei ist …

Wie geht es nun weiter?

Pause!
Ich brauche wirklich eine Pause. In den nächsten Tagen werde ich mich verstärkt dem Plotten des neuen Projektes widmen sowie (hoffentlich) eine weitere Kurzgeschichte für eine Anthologie-Ausschreibung verfassen. Das ist so ein kleiner Versuch, den ich starten möchte, weil … schreibe ich überhaupt so gut, als das es irgendwer lesen wollen würde?

Außerdem überlege ich, mir tatsächlich Scrivener zuzulegen, immerhin gibt es als NaNoWriMo-Gewinner 50% Rabatt.

Resümee aus dem NaNoWriMo

Eine Bluetooth-Tastatur ist nicht das Richtige für schnell und viel schreiben.
Nein, Scherz beiseite, das lag teilweise sicher auch an den Umgebungsbedingungen wie leere Batterie oder Gegenstand vor dem Empfänger, es ist aber trotzdem nervig. Kommen wir zu den ernsthafteren Erkenntnissen aus dem NaNoWriMo.

Der NaNoWriMo ist für mich nur als Plotter zu schaffen – das steht definitiv fest, nachdem ich die letzten 30.000 Wörter nur mit den geplanten (Schlüssel-)Szenen aus dem zweiten Teil meines Projektes zusammengebracht habe und nicht im Fluss der Kapitel. Ein Großteil der Szenen ist schrecklich. Lustig, ja, aber auf den ersten Blick wirkt es wie purer Smalltalk (lustigerweise gibt es tatsächlich eine Szene, in der der Protagonist es tatsächlich mit seinem Anhängsel probt). Ein zweites Ergebnis aus dem NaNoWriMo ist: Nie wieder NaNoWriMo.

Klar, es ist ein super Gefühl, wenn der Balken sich lila verfärbt, aber das ist es mir einfach nicht wert. Meine Umwelt (aka bessere Hälfte) ist nur am Herumnöhlen, dass ich nur noch am Computer sitze – sorry, die Muse kommt nicht auf Knopfdruck! –, ich bin nur am Schokolade fressen, das, was dabei herauskommt, gefällt einfach nicht und die Zeit, die man zum Überarbeiten braucht, kann man auch mit Schreiben von besseren (kürzeren) Texten verbringen. Ich werde wohl definitiv bei meinem Tagessoll von zarten 300 Wörtern bleiben.

Dennoch drücke ich allen, die noch an ihren Worten sitzen, die Daumen und hoffe, dass ihr nicht so einen Schrott fabriziert wie ich, auf den ich immer noch keine (gute) Antwort habe:

»Eine Frage hätte ich jetzt noch …«
Tobias wandte sich in der Tür um und runzelte fragend die Stirn.
»Wieso hast du die Wasserrechnung nicht gezahlt?«
Mein Vater verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln. »Das erzähle ich dir ein anderes Mal«, antwortete er, hob die Hand zum Abschied und einige Augenblicke später hörte ich, wie die Haustür zufiel.

Wie weit seid ihr im NaNoWriMo?
Werdet ihr im nächsten Jahr (falls die Welt vorher nicht untergeht …) wieder teilnehmen?
Wieso hat Tobias die Wasserrechnung nicht gezahlt?

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3 Kommentare

  1. Das ist ja ein durchwachsenes Fazit. Einerseits gratuliere ich dir natürlich dazu, dass du es so früh schon validieren konntest…
    Aber dass bei dir die besser Hälfte gelitten hat, ist natürlich echt schlecht. Und wenn dir das langsame Schreiben eben mehr liegt, dann solltest du wohl dabei bleiben. Ich habe ehrlich gesagt etwas Angst davor, meinen Text überarbeiten zu müssen, aber ich fieberte gerade echt darauf hin, das Ende zu schreiben. Irgendwie bin ich niemand, der angefangenes Zeugs mag. Und meine Freundin meinte auch, der NaNo wäre nichts für mich, weil ich doch schon studieren und Reiten würde – allein deswegen wollte ich es unbedingt schaffen.

    Liebe Grüße

    1. Author

      Vielen Dank für deinen Besuch & Kommentar!

      Naja, er nörgelt immer 🙂 – hat keinen Sinn für Schreiben von Prosa und einen Monat hält er schon aus (ist halt doof, dass aktuell das Haus umgebaut wird, noch mehr Stress …)

      Der NaNoWriMo schlaucht ganz schön, ich kann die Freundin verstehen. Aber das ist eine subjektive Sache, mit dem Schaffen.
      Ich habe es eigentlich auch nur deswegen durchgezogen, weil ich a) es meinen „Du schaffst es eh nicht“-Sagern beweisen wollte und b) das Gefühl hatte, die Geschichte gut geplant zu haben. Letzteres hat zwar nur bedingt gestimmt, wie ich jetzt weiß, und ich darf jetzt viel Schrott überarbeiten, aber hey, geschafft … und kann endlich zurück zum langsamen, aber besseren Schreiben 😉


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